Das kleine BWL-Glossar: Controlling und Finanzplanung, ohne Beraterdeutsch
Stand: August 2026 · wird laufend erweitert
Jeder Begriff in höchstens drei Sätzen — so, dass man ihn danach selbst erklären kann. Für die Tiefe verlinken wir auf unsere Leitfäden.
A
- Abschreibung (AfA)
- Die Verteilung der Anschaffungskosten einer Maschine, eines Fahrzeugs oder einer Einrichtung über ihre Nutzungsjahre. Sie mindert den Gewinn, bewegt aber kein Geld — bezahlt wurde beim Kauf. Wer sie in der Liquiditätsvorschau als Auszahlung stellt, macht einen der vier klassischen Excel-Fehler.
- Anfangsbestand
- Der Kontostand, mit dem eine Liquiditätsvorschau startet. Er gehört in der Rechnung an genau eine Stelle — doppelt eingerechnet hebt er jede Monatsvorschau künstlich an.
- Anzahlung
- Eine Zahlung des Kunden vor der Leistung. Für die Liquidität wertvoll, weil Geld früher ankommt — in der Planung gehört sie als eigene Zahlungsregel abgebildet.
B
- Betriebsergebnis
- Das Ergebnis des eigentlichen Geschäftsbetriebs — in der Standard-BWA die Zeile 1300. Zinsen und Einmaleffekte kommen erst danach; deshalb ist es die ehrlichste Zahl für die Frage „läuft der Laden?".
- Budget
- Die verabschiedete Planung eines Jahres: so sollen Umsatz und Kosten laufen. Es ist die Messlatte, an der das Ist gemessen wird — und wird deshalb unterjährig möglichst nicht angefasst (dafür gibt es den Forecast). Mehr im Budget-Leitfaden.
- BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung)
- Die monatliche Auswertung Ihrer Buchhaltung, meist von der Steuerkanzlei nach dem DATEV-Standard gegliedert. Sie zeigt Erlöse, Kosten und Ergebnis des Monats — aber nicht, ob das Geld reicht. Zum BWA-Leitfaden.
C
- Cashflow
- Der Geldfluss einer Periode: Einzahlungen minus Auszahlungen. Er kann positiv sein, während der Gewinn negativ ist — und umgekehrt; genau dieser Unterschied macht Liquiditätsplanung nötig.
- Controlling
- Nicht „Kontrolle", sondern Steuerung: Zahlen so aufbereiten, dass Entscheidungen früher und besser fallen. Kernwerkzeuge im Mittelstand: BWA-Vergleich, Budget, Forecast, Liquiditätsvorschau.
D
- DATEV-Standard-BWA
- Die in Deutschland verbreitetste BWA-Gliederung mit bundesweit einheitlichen Zeilennummern (1020 Umsatzerlöse … 1380 vorläufiges Ergebnis). Ihr Wert: Unternehmer, Kanzlei und Bank sprechen über dieselben Zeilen.
- Deckungsbeitrag
- Erlös minus variable Kosten — der Betrag, den ein Verkauf zur Deckung der Fixkosten beisteuert. Erst wenn die Summe aller Deckungsbeiträge die Fixkosten übersteigt, beginnt der Gewinn.
- Debitoren
- Ihre Kunden aus Sicht der Buchhaltung: alle, die Ihnen noch Geld schulden. Die Summe der offenen Debitorenrechnungen ist Geld, das unterwegs, aber noch nicht da ist.
E
- Einzahlung / Auszahlung
- Geldbewegungen auf dem Konto — nicht zu verwechseln mit Ertrag und Aufwand, die in der Ergebnisrechnung stehen. Die Liquiditätsplanung rechnet ausschließlich mit Ein- und Auszahlungen.
F
- Fixkosten
- Kosten, die unabhängig vom Umsatz anfallen: Miete, Grundgehälter, Versicherungen. Vorsicht in der Mehrjahresplanung: Auch „fixe" Kosten steigen über die Jahre — wer sie festschreibt, während der Umsatz wächst, öffnet die Kostenschere.
- Forecast
- Die laufend aktualisierte Erwartung, wie das Jahr (oder die nächsten 24 Monate) tatsächlich ausgehen — gebuchte Monate ersetzen darin die geplanten. Der Forecast ändert sich ständig; das Budget bleibt als Messlatte stehen.
- Fortführungsprognose
- Die Einschätzung nach § 19 InsO, ob ein Unternehmen seine Zahlungen über das laufende und folgende Geschäftsjahr aufrechterhalten kann. Sie besteht aus einem Zahlenwerk (dem Finanzplan) und einer Beurteilung — Letztere gehört zwingend in die Hände der Geschäftsleitung und ihrer rechtlichen und steuerlichen Berater.
G
- GuV (Gewinn- und Verlustrechnung)
- Die jährliche Ergebnisrechnung des Jahresabschlusses: Erträge minus Aufwendungen. Die BWA ist ihre monatliche, vorläufige Schwester.
J
- Jahresrand (Planungsfehler)
- Die Stelle, an der Tabellen-Vorschauen abreißen: Zahlungen aus Dezember-Umsätzen, die erst im Januar fließen, verschwinden, weil die Formel nur bis Spalte Dezember reicht. Ein rollierendes Modell kennt diesen Rand nicht.
K
- Kontenrahmen (SKR03 / SKR04)
- Die Ordnungssysteme der Buchhaltungskonten. SKR03 gliedert nach Prozessen, SKR04 nach der Bilanz — für die BWA-Zeilen macht das keinen Unterschied, nur die Kontonummern-Zuordnung ist anders.
- Kostenschere
- Ein Planungsmuster: Der Umsatz wird mit Wachstum geplant, die Kosten stehen als feste Beträge still — der Plan-Gewinn steigt dadurch von selbst, Jahr für Jahr, ohne dass sich im Betrieb etwas ändert. Kann gewollt sein (Festmietvertrag), ist aber häufig ein Versehen, das die Planung zu schön macht.
- Kreditoren
- Ihre Lieferanten aus Sicht der Buchhaltung: alle, denen Sie noch Geld schulden. Offene Kreditorenrechnungen mit ihren Fälligkeiten sind die präziseste Quelle für die Auszahlungsseite einer Liquiditätsvorschau.
L
- Liquidität
- Die Fähigkeit, fällige Zahlungen zu leisten — jederzeit. Ein Unternehmen kann profitabel und trotzdem illiquide sein; deshalb ist die Liquiditätsvorschau kein Anhängsel der BWA, sondern eine eigene Rechnung. Zum Leitfaden.
- Liquiditätsplanung
- Die monatliche Vorschau des Kontostands: Anfangsbestand plus geplante Einzahlungen minus geplante Auszahlungen, Monat für Monat verkettet. Ihre Qualität hängt an den Zahlungsregeln und an der Vollständigkeit der Zeilen.
P
- Planfassung / Szenario
- Eine in sich geschlossene Version der Jahresplanung. Mehrere Fassungen desselben Jahres mit unterschiedlichen Annahmen ergeben Szenarien (etwa vorsichtig/erwartet/ambitioniert) — wichtig ist, dass die verabschiedete Fassung eindeutig markiert bleibt.
R
- Rohertrag
- Umsatz minus Material- und Wareneinsatz — BWA-Zeile 1080. Die Rohertragsquote ist die früheste Warnleuchte der BWA: Wandert sie, hat sich Einkauf, Preissetzung oder Produktmix verändert.
- Rollierende Planung
- Eine Vorschau mit konstant langem Blick nach vorn: Mit jedem gebuchten Monat rückt das Fenster einen Monat weiter, statt am 31. Dezember zu enden. So wird der Blick nach vorn nie kürzer — auch im November nicht.
S
- Skonto
- Ein Preisnachlass für schnelle Zahlung (etwa „2 % bei Zahlung binnen 10 Tagen"). Auf das Jahr gerechnet ist Skonto meist ein sehr teurer Kredit des Lieferanten — oder eine sehr rentable Geldanlage, je nachdem, auf welcher Seite man steht.
- Summen- und Saldenliste (SuSa)
- Die Liste aller Konten mit ihren Bewegungen und Salden einer Periode — das Rohmaterial, aus dem BWA und Auswertungen entstehen. Ein gutes Werkzeug kann sie direkt einlesen.
U
- Umsatzsteuer-Zahllast
- Die vereinnahmte Umsatzsteuer minus gezahlter Vorsteuer — der Betrag, der ans Finanzamt geht. Sie liegt zwischenzeitlich auf Ihrem Konto und lässt es voller aussehen, als es ist; in der Liquiditätsvorschau braucht sie eine eigene Zahlungsregel.
- Unternehmerlohn
- Die Vergütung der eigenen Arbeit des Inhabers. In erstaunlich vielen Gründungsplänen fehlt er — und macht den Plan schöner und das erste Jahr härter. Mehr im Gründungs-Leitfaden.
V
- Variable Kosten
- Kosten, die mit dem Geschäft atmen: Ware, Material, Provisionen. In der Planung gehören sie als Prozentsatz einer Bezugsgröße geplant — nicht als fester Betrag.
- Vorläufiges Ergebnis
- Die letzte Zeile der Standard-BWA (1380). „Vorläufig", weil Abgrenzungen und Abschlussbuchungen erst zum Jahresende kommen — die BWA ist das Monats-Thermometer, der Jahresabschluss die Untersuchung.
W
- Wareneinsatz
- Die Kosten der verkauften Ware bzw. des Materials — BWA-Zeile 1060. Als Quote vom Umsatz betrachtet, ist er die zentrale Steuerungsgröße in Handel und Gastronomie.
- Working Capital
- Umlaufvermögen minus kurzfristige Verbindlichkeiten — grob: das Geld, das im täglichen Geschäft gebunden ist (Lager, offene Kundenrechnungen) abzüglich dessen, was Sie selbst schulden. Wächst es unkontrolliert, verschwindet Liquidität im Betrieb, obwohl der Gewinn stimmt.
Z
- Zahlungsregel
- Die Übersetzung einer Plan- oder Ist-Zeile in Geldbewegungen: wann welcher Anteil tatsächlich fließt (Zahlungsziele, Vorauszahlungen, Fälligkeitsmonate). Zeilen ohne Zahlungsregel fallen still aus der Vorschau — einer der häufigsten Planungsfehler.
- Zahlungsziel
- Die vereinbarte Frist zwischen Rechnung und Zahlung (etwa 14 oder 30 Tage). Für die Liquidität zählt nicht, wann geleistet, sondern wann gezahlt wird — Zahlungsziele verschieben Geldflüsse zwischen Monaten.
Begriffe sind der Anfang — Zahlen sind der Rest
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